Mein Weg nach Santiago de Compostela
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29.04

Heute bin ich alleine gestartet, Roswitha und ich haben uns gestern schon verabschiedet. Heute soll es ein schoener Tag werden, sogar sehr warm. Schnell war ich in Estella und hier wollte ich eigentlich einen Kaffee trinken, tat es aber nicht da ich irgendwie das Gefuehl hatte schnell am Ziel zu sein. Hier herscht naemlich reger Betrieb auf dem Weg. Und wer nicht rechtzeitig an einer Herberge erscheint, der bekommt kein Bett. Dadurch komme ich schon ein bisschen in Stress. Bis 12-13 Uhr sollte man an einer Herberge sein. So lief ich um 7:30 Uhr los. Die Sonne kam langsam raus und warf meinen Schatten voraus. Heute soll es einen kleinen Berg hinauf gehen, gestern haben wir noch darueber gesprochen. So schlimm war es nicht! Am Weinbrunnen vorbei (war nicht mehr viel Wein drin) ging es langsam nach oben. Ich musste mich entscheiden, ob ich nach 18 km halt mache, oder weitere 12 gehe. Ich habe mich fuer die weiteren entschieden. Am Nachmittag schien die Sonne ganz schoen stark und als ich nach 30 km an der Herberge ankam, war ich ganz schoen erledigt. 

Die Herbereg war ganz schoen voll und ich bekam nur noch eine Matratze auf dem Boden. Meine Beine und Ruecken taten weh. War das zu viel heute?

Als ich mich ein wenig ausgeruht hatte bin ich in die Stadt gegangen, eher zum Ortskern, von Los Arcos. Dort traf ich auf Sanine und Doris, eine Freundin von Sabine. Wir verabredeten uns zum Essen. 10 vor sieben trafen wir uns vor der Herberge. Sabine, Doris, Burghardt und Hannes (zwei aus Hanover). Als wir auf das Essen warteten, kam Roswitha auch in die Gaststaette. Wir freuten uns zu sehen. Sie ist ein Stueck mit dem Bus gefahren. Leider uebernachtete sie in eine andere Herberge. Der Abend war gut, das Essen auch und die Weine werden immer besser. Sabine redete viel, ich hoerte ihr zu und genoss... 

1.5.08 17:27


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30.4

Die Nacht war erstaunlich gut, obwohl nur Matratzenlager. Morgens gab es zwischen zwei Maenner einen kleinen Streit. Man entwickelt grosse Wut wenn man nicht ausgeschlafen hat und morgens schon frueh gestoert wird. Es war sehr kalt an diesem Morgen und es sollte noch kaelter werden. Dennoch wollte ich schnell aus der Herberge raus, zuviel deutsche Pilger. Nicht falsch verstehn, kein Problem mit Germans...but they are so loud...Ja, es ist schon komisch ich bin ein paar Tage unterwegs und ich denke manchmal schon in englisch. Klappt bisher ganz gut mit dem Verstaendis. Ich lief los un dmerkte schnell, dass mein Koerper nicht so richtig will. Di e30 von gerstern stecken mir noch in den Knochen. Sonst habe ich keine koerperliche Beschwerden. Natuerlich ist man erledigt wenn man ankommt, aber man erholt sich schnell. Dieser Tag wird hart, es ist kalt und es geht ein kraeftiger Wind. Ich ziehe meine Regenjacke an und ziehe die Muetze auf damit die Ohren windgeschuetzt sind. Das Laufen macht mir keinen Spass und faellt mir schwer. Die Landschaft ist mir egal. Es geht kilometerweise durch eine Ebene. Vor mir laueft eine Frau. Sie traegt keinen Rucksack, sonder hat einen Wagen dabei, wie man zum Einkaufen kennt. Vor ihr hoerte ich schon. Andere Pilger regten sich auf, da sie der Meinung sind die Frau macht es sich bequem. Das haette mit Pilgern nichts zu tun, ohne Rucksack. Im Sinne von: "No pain, no glory"

Die Frau lief vor mir und das sehr lange, wir haben den gleichen Schritt. Ich ueberlege warum sie diesen Wagen dabei hat. Ich moechte diese Frau nicht beurteilen oder bewerten was sie tut. Sie wird einen Grund haben, fuer das was sie macht. Ich ueberlegte was das sein koennte...Vielleicht hat sie ein Schulterproblem und sie kann keinen Rucksack tragen. Wenn das so ist, dann bekommt die Frau meine Bewunderung, Es ist nicht einfach auf diesen Wegen den Wagen hinter sich her zu ziehen. Steile Auf- und Abstiege un dgrosse Steine behindern oft den Weg. Ich wurde schneller als sie und holte sie ein. Wir schauten uns an, laechelten und Gruessten uns mit einen "Ola".

Nach 5 Stunden kam ich in Viana an und es war klar das ich hier bleibe und nicht weiter gehe. Ich war heute wirklich fertig und koerperlich leer. Nachdem ich mich ein wenig hingelegt hatte lief ich durch die Stadt.  Das kl. Staedtchen Viana war ganz schoen und am Nachmittag hatte sich auch der Wind gelegt un die Sonne kam raus. Vom weiten sah ich Sabine und Doris und in der Herberge tarfen wir aufeinanden. Doris hatte heute Geburtstag (ich werden meinen auch auf dem Camino feiern) und Sabine war erkaeltet. Sie fragten mich ob ich spaeter mit zum Essen kaeme, was ich aber ablehnte da ich keinen grossen hunger habe und auch nicht jedesmal 10 € oder mehr fuer ein Menu auszugeben. Ich kaufte mir ein paar Lebensmittel fuer das Abendessen und ass die im der Kueche der Herberge. Hier sassen ein paar andere Pilger, die ich noch nicht kannte. Am Tisch fiel mir ein aelteres Ehepaar auf, sie muessen aus England sein. So ein tolles Land und die Sprache....herrlich! Ich liebe dieses Land. Wenn ich schon mal gelebt haben soll, dann war ich Englaender, ganz bestimmt. Ich bot ihr von meinen Gemueseteller an, da sie ganz grosse Augen bekam. Der Mann sagte zu mir, dass ihm saemtliche Knochen weh taeten und wenn er es noch nicht waere, und er fuehlte sich aelter als er eh schon sei. Ich sagte ihm, dass er sich keine Gedanken machen soll, denn ich fuehlte das gleiche. Die beiden waren so nett.

Abends war ich in der Kirche und in mitten der Predigt kligelte ein Handy. Eine Frau sprang auf und lief nach draussen und nahm ab. Der Priester sah sie strafend an. Bei der Gabenzubereitung wieder ein Handy. Diesmal scheint es nur eine SMS zu sein, Einmal klingeln, ein zweites mal und auch ein drittes..Der Priester zog unter seinem Umhang sein Handy raus, machte es aus und legte es auf den Altar ;-)

Abends bin ich schnell ins Bett gegangen. Das Ehepaar von der Kueche lag neben mir. Sie hatte Blasen an den Fuessen und er pflegte diese. Ein schoenes Bild, total suess. Die letzten Pilger kamen und das Licht wurde ausgemacht. Ich lag noch wach. Der nette Englaender von nebenan schlief ein und schnarchte. Das kann nicht sein, dachte ich. Hier kannst du unmoeglich schlafen, er war so laut. Sie weckte ihn und sagte das er schnarchte. Er legte sich anders hin, schlief und es war ruhig. Gleich darauf fing sie an zu schnarchen. Erst dachte ich, ich hoere schlecht. Mittlerweile war es 23 Uhr und ich bin ziemlich sauer. So nett fgand ich beide nicht mehr. Und ehrlich gesagt, ueberlegte ich wie ich beide abstellen konnte. Meine Ohrenstoepsel waren naturlich im Rucksack un dder war auf dem Boden. Jetzt wurde er wach und weckte sein auf. Sie erschrank und kreischte...jetzt wirds lustig dachte ich. Sie machten sich irgendwas in die Nase, ich konnte nicht erkennen was das war. Er ging ins Bad, kehrte zurueck und legte sich hin. Es war 24 Uhr. Ich konnte einschlafen, aber nicht lange und ich wurde wach. Jetzt schliefen beide und schnarchten laut. Viele Freunde werden die sich nicht auf den Weg machen. 

3.5.08 16:05


1.5 - Die ertsen 100 Kilometer liegen hier mir

Es war fuer mich klar, dass ich heute nicht viel laufen werde. Habe nicht gut geschlafen, warum bloss...Und dazu kommt noch, dass ich keine Lust habe mich von der Hektik anstecken zu lassen. Also soll es heute nur nach Logroño gehen, ca. 10 km. Hier beginnt das Gebiet Rioja, mit dem tollen Wein. Mal sehen ob ich hier laenger bleibe, ich meine wegen dem Wein. Der Jakobsweg geht nur 50 km durch Rioja. Am Morgen traf ich Hannes und Sabine, beide wollen mit dem Bus nach Logroño fahren und von dort aus weiter laufen. Sabine meinte, dass der ganze Stress sie krank mache und sie deshalb die Erkaeltung bekommen hat. Ich trank noch einen Automatenkaffee und brach los, es war 8 Uhr. Sehr spaet fuer einen Pilger. NAch 2 Kilometer machte ich Pause und ass ein wenig. Das brauche ich heute Ruhe und Gelassenheit. Will den Weg geniessen und nicht von einer Herberge in die naechste rasen. Ich moechte mich nicht davon anstecken lassen, darum gehe ich heute nicht und bin rechtzeitig an einer Herberge. NAch 2 1/2 Stunden erreichte ich ruhig und gelassen Logroño, eine grosse Stadt. Die Herberge habe ich schnell gefunden und da diese erst gegen 13 Uhr auf machte lief ich noch in der Stadt umher und trank hier und dort einen Kaffee. Spaeter, auf dem Plaza del Mercado traf ich auf Sabine und Hannes.

Ich lief zur Herberge und wollte unbedingt aus meinen Schuhe raus, habe heute naemlich das Gefuehl Blasen zu bekommen. Es waren schon Pilger da und sie stellten ihre Rucksaecke vor dem Eingang, ich war Nummer 18. Als die Herberge aufschloss, waren es ca. 60 Rucksaecke. Die Leute sind so laut udn ich finde keinen Spass am Pilgern. Sabine hat sich entschieden auch hier zu bleiben, sie muss sich noch mal ausruhen. Ob sie das hier kann, dachte ich. Die Herberge was nicht schoen, eng und ueber 100 Betten ueber den Geruch moechte ich nicht schreiben. Ich wusch meine Waesche ausgiebig und ging in einen Park. Es sind beinahe 30 Grad, herrlich. Die Stadt ist schoen, verwinkelte Strassen und schoene alte Haeuser. Heute ist auch hier Feiertag. Auf den Kirchtuerme nisten Stoerche. Ab und zu klappern sie mit den Schnaebeln, dass hoert sich klasse an. Abends war ich mit Sabine was trinken. Sie erzaehlte mir viel von sich, auch sehr privates. Ich hoerte ihr zu und genoss. "Du bist ein guter Zuhoerer", meinte Roswitha mal zu mir - schoss mir durch den Kopf. Wo sie wohl steckte? - But, you must go your own way! 

3.5.08 18:50


2.5

Um 4 Uhr bin ich wach geworden, bis dahin habe ich erstaunlich gut geschlafen. Die Frau ober mir packte ihre Sachen. Will dii schon los, fragte ich mich. Konnte bis halb sechs liegen bleiben, dann ging das Licht an. War ich sauer! Ich packte meine Sachen und ging los. Wollte raus aus dieser Stadt und weg von den anderen Pilger. Helumt, aus Bayern holte mich ein, wir kannten uns schon von Viana. Wir leigfen ein Stueck zusammen und lernten uns naeher kennen. Wir beide, hatten wir das Gefuehl uns schon mal begegnet zu sein. Wir sind aber nicht darauf gekommen woher wir uns kennen. Helmut legte ein erstaunliches Tempo vor und lange konnte ich das nicht mithalten. Ich ging allein, vorbei an Weinberge und einen See kam ich in Navarrette an. Hier sassen schon einige Pilger vor einer Herberge und unterhielten sich wo man am besten ein Bett bekaeme und bis wann man da sein sollte. Unglaublich was der Weg fuer manche an Stress ausloest. 

Ich moechte darauf hinweisen, dass ich niemanden abrate den Weg zu gehn. Man bekommt immer ein Platz zum Schlafen und wenn nicht in der Herberge dann in einer Kirche oder Privat!

Nach weiteren 13 km kam ich in Ventosa an, ein kleines Dorf mit einer kleinen Herberge. Ich musste mich entscheiden, hier zu bleiben oder weiter nach Najrea zu gehen. Hier gibt es eine Herberge mit 100 Betten. Ich beschloss erstmal einen Kaffee trinken zu gehen und lernte zwei Deutsche kennen. Sie wollten unbedingt weiter, weil hier bleiben waere unmoeglich. "Was willst du denn hier, hier sitzt du doch nur fest. So kommst du nie in Santiago an." - Will ich das, dachte ich. Und so beschloss ich noch einen weiteren Kaffee zu trinken. Die Deutschen gingen und fuer mich stand fest, dass ich in dem Ort bleiben werde. Neben mir sass eine Frau, die ich schon beim Laufen ueberholt habe. Sie hiess Annett, kam aus Holland und ist eine homoepahtische Aerztin kurz vor dem Burn-Out. "Deshalb mache ich den Trip" Passend dachte ich und ich erzaehlte ihr von meinem letztem Jahr, mit den Auf und Ab. Es war herrlich, die Sonne schien eine nette Unterhaltung und Kaffee. Ich bot ihr von meinen Keksen an und sie packte Schokolade aus.- Thats life!

Annett lief weiter und wir verabschiedeten uns. Ich ging zur Herberge, die hat jedoch noch nicht offen. Die meisten Herbergen machen so gegen 12 - 13 Uhr auf. Die Herberge war ein Schmuckstueck, klein und mit liebe gestaltet. Ich kann die Privatenherbergen nur empfehlen. Sie kosten zwar in der Regel ein bisschen mehr aber sie sie gemuetlicher. Ich beschloss ein paar Lebensmittel zu kaufen und heute abend zu kochen. Spater legte ich mich in der Naehe der Kirche in das Gras und schlief ein wenig. Ueberlegte zuvor, warum die Menshen sich so ein Stress machen? Fand aber keine Antworten und beschloss keine weitere Gedanken daran zu verschwenden.

Ich traf Sabine wieder und freute mich, obwohl die ersten Begegnungen mit ihr mich eher abgeschreckt haben. Sie liess sich von der Hast der anderen Menschen anstecken. Durch ihre Kranklheit wurde sie aber gebremst und sie war ruhiger und das gefiel mir. Ich lud sie zum Essen ein. Sie freute sich und besorgte fuer uns den Wein. Beim Essen lernte ich Iris kennen. Sie hatte mich angesprochen, weil sie gesehen hat dass ich vor dem Essen gebetet habe. Sie wollte mehr ueber meinen Glauben wissen nd wie ich damit umgehe. Wir unterhielten uns sehr ausfuehrlich und ich hoffe, dass ich in ihr Zuversicht, Glauben und Vertrauen zu Gott wecken konnte.

5.5.08 21:40


3.5

Bisher die beste Nacht! Heute frueh ohne Hektik aufgebrochen. Es scheint ein schoener Tag zu werden. Ich weiss nicht wie lange ich laufen werde und wo ich Halt machen werde. Das wird sich zeigen. Musste heute beim Laufen ueber ein Gespraech von gestern nachdenken. Ich habe mich mit der Herbergsfrau ueber den Pilgerstrom unterhalten. Sie fand es in diesem Jahr sehr schlimm mir den Pilger und der Hats. Sie wuenscht sich mehr Gelassenheit und das doch jeder seinen eigenen Weg findet. Es sind viele "Hapespilger" unterwegs und das sei fuer den Weg nicht gut, meinte sie. Ich muss ihr recht gebe, wer nur das Buch gelesen hat und sich deshalb auf den Weg gemacht hat, der wird hoechstwahrscheinlich scheitern. Nicht falsch verstehen, ich finde das Buch gut. Habe es selbst gelesen, finde es aber nicht ausreichend fuer diesen Weg. Ich finde es gut, dass sovoele Pilger unterwegs sind. Egal aus welchen Gruenden auch immer. Wie sagte Roswitha einmal: "Lass sie doch alle gehen, zu sich selbst finden. Das macht uns doch alle besser und letztens die Welt" - Wie recht sie hat!

Ich lief heute sehr langsam, so empfand ich das jedenfalls. Jedoch ging es gut, ich dachte gar nicht daran schneller zu laufen. Die Beine geben das Tempo an und nicht der Kopf.

Es sind schon viele Pilger unterwegs, was allerdings seltsam ist das es trotzdem immer wieder Momente gibt, in denen man ganz fuer sich ist. Seltsam! In solchen Momenten arbeitet es sehr in einem, ich merke das emotional. Gedanken schiessen durch den Kopf und Gefuehle kommen in einem hoch. Das anzunehmen kostet kraft. Am Ende eines Tages ist man koeperlich und emotional muede. Man lernt immer wieder neue Leute kennen und die loesen etwas in einem aus, ob man will oder nicht. Sie fragen nicht danach.

Nach einer laengeren Pause unter einem Olivenbaum kam ich in Azofra an. Ein kleinens Doerfchen mit netten Leuten. Auf diesen Weg gruesst dich ein jeder un dalle scheinen gut gelaunt zu sein. Hier gab es eine groessere Herberge. Und was toll war, sie hatte 2 Bett Zimmer, ein totaler Luxus. Ich bekam Zimmer nr. 8 und war gespannt mit wem ich das Zimmer teilen werde. Am Nachmittag traf ich Sabine wieder und ich lud sie zum Essen ein.

Am Abend war auf dem Dorf ein Fest, ich konnte nicht feststellen was sie feierten. Alle Pilger waren dazu eingeladen. Sie holten Tische und stellten diese in mitten des Dorfplatzes und decken Wurst, Kaese, Chips und Wein auf. Fuer mich sehr bewegende Szenen spieleten sich ab. Aeltere und juengere Menschen feierten zusammen und ich mitten drin. Alle waren foehlich und unterhielten sich mit einem. ICh versatnd kein Wort, aber das war egal, wir lachten zusammen und verstanden uns. Diese Foehlichkeit und Hilfsbereitschaft, unglaublich!

6.5.08 20:55


4.5

Charly aus Amerika war mit mir in einem Zimmer. Ich lernte ihn schon sehr frueh kennen, ich glaube es war auf dem Weg nach Lorca. Er laeuft nun schon viel besser, sein Fuss scheint zu heilen. Heute bin ich mit Kopfschmerzen aufgestanden. Der Wein gestern war wohl zu viel. Die Leute haben uns ganz schoen abgefuellt. Sabine und ich gingen fruehstuecken, Toast mit Kaffee. Wir liefen dann ein Stueck gemeinsam. Das Tempo was Sabine vor gab war mir zu schnell, heute muss alles sehr langsam gehen. Erst als ich allein lief, konnte ich mein Tempo fuer heute finden. Ich musste oft an das Fest von gestern denken. Durch dieses Erlebnis verstand ich den Satz: "Der Weg ist das Ziel" Natuerlich ist Santiago auch fuer mich das Ziel, aber bis dahin koennte ich auch den Bus nehmen. Die Eindruecke aufzusaugen sei es von der Natur, Menschen, Glauben und einem selbst, dass ist es warum man sich auch auf den Weg macht. Es geht nicht darum den Weg mit Schmerzen zu gehen oder sehr schnell, es geht darum sich die Zeit zu nehmen die jeder einzelne selbst braucht. Und wenn man sein Tempo geht, dann kann man das Wunder dieses Weges erfahren. Dafuer kann man natuerlich kuerzer oder auch laenger brauchen. Fuer mich ist das Ankommen in Santiago nicht mehr so wichtig, ich moechte bei mir ankommen.

In Santo Domingo de la Calzada war ich schon um 12 Uhr und ich haette noch ruhig weiter laufen koennen. Wollte aber nicht, moechte mir in ruhe die Stadt anschauen. Ab hier beginnt das Gebiet Castilla y Leòn. Ueber 400 km geht der Jakobsweg hier durch und es ist auch durch die grossen Weizenkornfelder bekannt. Santo Domingo ist eine schoene und alte Stadt. Gegruendet wurde sie von einem Eremit der sein Leben den Pilgern gewidmet hat. Er wurde hier in der Naehe geboren und er baute eine Strasse (Calzada=Strasse) und eine Bruecke ueber einen Fluss. Beruehmt ist auch die Stadt durch das Huehnerwunder. Bis heute werden in der Kathedrale zwei Haehne gehalten, die an das Wunder erinnern.

Eine Legende…

Eine Wirtstochter verliebte sich in einen deutschen Pilger, der mit seinen Eltern auf dem Weg zum Grab des heiligen Jakobus in der Herberge eingekehrt war. Der Sohn aber wollte von der Wirtstochter nichts wissen. Als Rache für die verschmähte Liebe steckte sie ihm einen silbernen Becher in den Mantel. Beim Verlassen der Herberge schrie sie: „Halt, Diebe!“. Schnell nahmen die Dinge ihren Lauf. Der Jüngling wurde des Diebstahls überführt, verurteilt und gehängt. Als die betroffenen Eltern nach vollendeter Pilgerreise wieder in Santo Domingo de la Calzada vorbeikamen, fanden sie ihren Sohn lebend am Galgen. „Der heilige Dominikus hat mich die ganze Zeit gehalten“, sagte der Sohn. Die Eltern eilten zum Richter, der dies nicht glauben mochte und meinte: „Euer Sohn ist genau so tot, wie die zwei gebratenen Hühner, die gerade aufgetischt werden.“ Kaum gesagt, wuchsen den Hühnern Federn, sie sprangen vom Spiess und flatterten vom Tisch. Alle eilten sie zum Galgen. Man band den Jüngling los, während die Schuldige rasch gefunden war. Statt des Sohns wurde die Wirtstochter gehängt.

Ich traf Sabine wieder und auch sie beschloss hier zu bleiben und wir suchten die Herberge auf. Wir gingen in das Zisterzienserkloster der Stadt. Hier uebernachtete auch Hape, wusste Sabine. Tagsueber habe ich noch einen Bummel durch die Stadt gemacht und abends war ich im Gottesdienst in der Kathedrale. Die Herberge war nicht der renner. Es roch und alles war irgendwie feucht, auf duschen verzichtete ich freiwillig. Ich lag auf einem Hochbett das sehr wackelte. Ich hatte grosse Angst herunter zu fallen, da es kein Seitengitter hatte. Dachte kurzfristig daran mich irgendwie fest zu binden. Als ich mich in das Bett legte, hatte ich das Gefuehl das saemtliche Milben der Matratze auf mich sprangen und eine Party feierten. Ich konnte nicht schlafen, entweder aus Angst runter zu fallen oder weil es juckte. Furchtbar, warum muss man beim Pilgern leiden? Ich bin katholisch und tu auch Busse, aber bitte nicht so! Die Nacht ging irgendwie vorbei, zwei oder drei Stunden habe ich geschlafen. Bin morgens aufgestanden und war wuetend. Packte alles zusammen und floh aus der Herberge und aus der Stadt - Die Milben liess ich da!

8.5.08 14:01


5.5

Das Wetter versprach heute keinen Spaziergang. Es war sehr bewoelkt und es drohte zu regnen. Na, das passte zu meiner Stimmung. Ich war wuetend und hatte keine lust auf Pilger, Landschaft und so weiter. Dazu kam noch das die Strecke an einer Strasse entlang ging und Lastwagen an mir vorbei rasten. Ich holte mein MP3 - Player raus und mit den Toten Hosen ging ich meinen Weg.

In Belarado machte ich heute schluss, 23 km in ca. 5 Stunden. Ich bezog mein Bett in einer sehr neuen Herberge. Legte mich nach einer gruendlichen Duschen hin und schlief ein. Ich trauemte und das sehr viel und schnell auf diesen Weg. Seltsam, aber ich glaube das hat mit den vielen Eindruecke zu tun. Eigentlich ist das fuer einen Menschen fast zuviel, die totale Reizueberflutung. Am Nachmittag ging ich in das Dorf und traf Sabine wieder - Man verliert sich nicht!

Am Abend nahmen wir ein Pilgermenu ein und Helmut aus Koeln gesellte sich zu uns. Ein ruestiger Rentner der auch bis Santiago gehen will. Spaeter kam Birgit zu uns. Sie laeuft Marathon und moechte taeglich 30 km gehen, um rechtzeitig in Santiago zu sein. Das Essen war gut und es ist schoen, sich mit neuen Bekanntschaften zu unterhalten - Meine Stimmung war viel besser!   

8.5.08 14:14


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