Mein Weg nach Santiago de Compostela
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01.06

Nachdem ich heute morgen los bin, musste ich auch schon wieder umdrehen. Hatte mein Handy unter dem Kopfkissen liegen gelassen. (Nicht das erste mal, dass ich was liegen gelassen habe. Irgendwo verlor ich mein Handtuch und das beste passierte mir in Ponferrada. Ich war dort in der Kirche und habe Kerzen angezuedet und dafuer etwas gespendet. Sass dort noch ne Weile auf der Bank und bin dann los. Beim Einkaufen spaeter, es muss so ca. 1 Stunden vergangen sein, bemerkte ich das meine Geldbeutel fehlt. Also ich zurueck zur Kirche, hin zu der Bank auf der ich sass und da lag er. Glueck - Gott sein dank!) Hatte mein Handy wieder und suchte zunaechst alles ab, ob ich tatsaechlich alles dabei hatte. Beim Laufen fielen mir heute deutlich die "neuen" Pilger auf. Man kann sie von den anderen deutlich erkennen. Sie laufen schneller, die Kleidung sieht neuer aus und was mir sehr aufgefallen ist, sie gruessen nicht. Normalerweise freut man sich wenn man jemand triff und gruesst auf jeden Fall. Die Freundschaftlichkeit, Hilfsbereitschaft und die Gemeinschaft alles das was den Camino ausgemacht hat, schien weg zu sein. Den Pilger fehlt einfach diese Zeit. Soll das etwas jetzt  so weiter gehen, vielleicht sogar bis nach Santiago? Ich empfand das als schade und hatte irgendwie das Gefuehl hier nichts mehr verloren zu haben. 

In einer Bar traf ich Silke und Anja, sie hatten sich heute auf den Weg kennen gelernt. Sie waren gerade wieder beim Aufbrechen und wir verabredeten uns auf spaeter, denn wir hatten das gleich Ziel Palas de Rei. Sie fragten mich zwar ob ich mit ihnen mit laufen wolle, aber das lehnte ich dankend ab. Ich bin jetzt soviele Kilometer alleine gelaufen und habe auf niemand, ausser auf mich, ruecksicht nehmen muessen. Das hat ueberhaupt nichts mit den Personen zu tun, aber ich fuehle mich nicht wohl den ganzen Tag mit jemand zusammen zu laufen. Ich bin der Meinung, den Camino muss man alleine laufen!

Der Weg lief heute wieder einmal schleppend, machte mir aber keine Gedanken mehr ueber das Warum, sondern lief einfach weiter und machte ab und zu Pausen. Von weiten sah ich immer wieder einmal Silke und Anja, und 3 km vor Palas de Rei holte ich sie in einer Bar ein. Anja klagte ueber ihre Fuesse und ihre Schulter, Silke taten die Fuesse weh und ich hatte keine lust mehr. So gingen wir das letzte Stueck doch gemeinsam und Silke brachte uns ein bisschen suedtirolerisch bei und Anja uns finnisch. Wir erreichten Palas de Rei und bekamen noch Betten in einer kleinen privaten Herberge.

Am Abend sassen wir zusammen tranken und hatten das Pilgermenu. Anja erzaehlte uns von ihrer Krankheit und das es ihr ueberhaupt nicht gut ginge. Das wussten bzw. erahnten wir nicht. Warum auch, sie ist erst Mitte 20 und da rechnet man doch nicht mit einer schlimmen Erkrankung. Ich bewundere sie, dass sie trotzdem sich hier auf den Weg macht und ihr Leben noch so im Griff hat.

2.6.08 18:38


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31.05

Heute werde ich die 100 km Marke durchbrechen und wieder kein Regen. Ich zog trotzdem meine Regensachen an, bin skeptisch gegenueber dem spanischen Wetter geworden. Nach Sarria ging es wieder steil aufwaerts und ich hatte gross muehe damit. Kam schnell ausser Atem und das war kein gutes Zeichen. Was war eigentlich los?, fragte ich mich. Seit ein paar Tagen habe ich keine Freude mehr beim Laufen, alles strengt nur an.Hatte irgendwie das Gefuehl ganz langsam zu gehen, um so wieder meine Geschwindigkeit zu finden. Ich hoerte Musik und hoffte, dass sie mich ein bisschen motiviert. Mit der Zeit aber, kenne ich die Musik auf meinen MP3 - Player auswendig und haette gerne mal was anderes gehoert, z.B. Rosenstolz haette ich gerne. Kam an einer Bar vorbei, ich glaube der Ort hiess Barbadelo, und hier ging ich rein um einen Kaffee zu trinken. Ich traf Anja wieder. Sie wirkte zufriedener als das letzte mal, als ich sie sah. Sie klagt ueber ihre Fuesse und ihre Schulter. Sie lief zusammen mit einer Oesterreicherin, ihren Namen erfuhr ich nicht.

Am Kilometerstein 100 (*freu) lernte ich Silke aus Suedtirol kennen. Sie ist heute den ersten Tag unterwegs und hat einen engen Zeitplan. Wir liefen ein Stueck gemeinsam und an der naechsten Bar verabschiedeten wir uns, ich blieb dort sie ging weiter. Claudia aus der Schweiz sass vor der Bar. Wir waren gestern im gleichen Zimmer und kannten uns aus Samos. Ich fragte, wie sie es geschafft hat sich heute morgen aus dem Zimmer zu stehlen ohne mich zu wecken. Sie ist um halb sieb los und dachte noch sie haette so ein Krach gemacht. Sie machte sich wieder auf den Weg und ich genoss meinen Kaffee. Das ist das schoene auf diesen Weg, mit der Zeit kennt man die Menschen und trifft sich immer wieder und hat sich kurz was mit zu teilen. Vor der Bar waren zwei Hunde, ein kleiner und ein wirklich grosser Hund. Ich konnte gar nicht aufhoeren beide zu streicheln.  

Als ich mich wieder auf dem Weg machte, hatte ich heute oft das Gefuehl in Kroatien zu sein. Meine Mutter kommt aus Kroatien und wir verbrachten oft den Sommerurlaub dort. Der Weg fuehrt durch kleine Doerfer und Bauernhoefe und es erinnerte mich an meine Oma. Sie hatte einen Bauernhof, mit Tiere und Feldern. Es roch teilweise wie in meine Kindheit und ich versuchte mich an diese zu erinnern. Auf dem Hof gab es Schweine, Huehner, Enten, ein Pferd und ich glaube sogar eine Kuh. Es gab Katzen und Hunde, aber ich konnte mich nicht an deren Namen erinnern. Viele Dinge schossen mir durch den Kopf und ich versuchte den Gedanken zu folgen. Wie war es als Kind, wie wuchs ich auf, wer war bei mir, an wem kann ich mich erinnern und an was, was habe ich erlebt? Manches blieb offen und fuer Zeiten fehlten mir Erinnerungen. Das war kein gutes Gefuehl, je mehr ich darueber nachdachte, um so mehr hatte ich das Gefuehl ein Teil von mir nicht mehr zu wissen. Dabei ist es doch so wichtig ueber die "Wurzel" seines Leben zu wissen, oder?

Kurz vor Portomarin traf ich Silke wieder und wir liefen das letzte Stueck gemeinsam. Suchten die Herberge auf und genossen unsere schoenen Betten. Den Tag ueber verbrachten wir in der Bar und redeten die ganze Zeit. Ich erzaehlte Silke, dass mir das Laufen zur Zeit schwer faellt und meine Musik mich auch nicht mehr motivieren kann da ich alles schon kenne. Zur Nacht bot sie mir ihren MP3 an, was ich dankend annahm. Beim Durchsuchen der Alben, stiess ich auf Rosenstolz und konnte es nicht glauben. Das hatte ich mir doch noch am Morgen gewuenscht - Danke!

2.6.08 14:35


30.05

Anscheinend hat es die ganze Nacht ueber geregnet. Immer wenn ich wach geworden bin, habe ich den Regen gehoert. Anja sah heute morgen sehr geknickt aus und irgendwie tut sie mir leid. Ich konnte ihr aber nicht helfen, sie muss das jetzt allein durch stehn. Ich lief los und es regnete nicht einmal. Kurze Zeit hatte ich das Gefuehl, dass mir der Regen fehlte. War jedoch sehr darueber froh das es mal nicht goss. Es ging eine Strasse entlang und ich lief an einem Fluss vorbei und musste einfach stehen bleiben. Ich schaute dem Wasser beim Fliessen zu. Ich glaube ich stand da ziemlich lange und was die Pilger, die an mich vorbei liefen, dachten war mir egal. Auch Anja kam vorbei und erzaehlte mir, dass sie einen absoluten Tiefpunkt hat. "Du darfst nicht ueberlegen, sondern du musst einfach Laufen. Rechts ein Schritt, links ein Schritt....", versuchte sie damit aufzumuntern aber irgendwie schien das nicht zu funktionieren. Es gab zwei Moeglichkeiten nach Sarria zu laufen, entweder an einer Strasse entlang oder eine laengere aber schoenere durch kleine Doerfer. Ich entschied mich fuer die schoenere und Anja ging weiter an der Strasse entlang. Der Weg ging bergauf und ich dachte eigentlich, dass es sich mit den Aufstiegen erledigt hat. Ich lief weiter, dachte kurz ans umdrehn, denn der Weg an der Strasse verlief eben. Nach einer halben Stunde stand ich vor dem Weg und war geschockt. Schlamm und Wasser machten mir den Weg sehr schwer. Ich versunk mit meinen Schuhen tief in den Schlamm. Es gab keine andere Moeglichkeit, ich musste hier durch. Zum Umdrehen war es jetzt zu spaet. Ich hatte wirklich muehe durch den Schlamm durch zu laufen und war fix und fertig als ich an ein Haus vorbei kam und mich erstmal ausruhte. 

Immer wenn ich abends gedacht habe, dass heute war die schlimmste Etappe, kam in den naechsten Tagen eine die war noch schlimmer. Der Weg zeigte mir ganz deutlich wo meine Grenzen sind und ich habe jetzt noch mehr Respekt vor diesem Weg als ich vor meiner Reise hatte! Man kann den Jakobsweg nicht mit Anstrenung bewaeltigen, sondern nur mit Demut!

Nach 4 Stunden erreichte ich Sarria und bekam in einer sehr schoenen Herberge ein Bett. In Sarria war deutlich viel los, denn ab hier starten die Kurzpilger. Sie laufen die letzten 100 km vor Santiago, damit gilt der Weg offizell als gepilgert. Ich war in der Stadt und kaufte mir frisches Obst und Kekse und suchte in einem Park eine Bank auf. Die Sonne kam raus und ich konnte sogar meinen Pullover ausziehn - unglaublich! Ich genoss die Sonne, den Apfel und meine Simpsons-Kekse.

Abends war hier wieder eine Prozession zu Ehren Jesu. Maenner trugen eine Jesusfigur von der Stadtkirche in die Klosterkirche. Ein Priester ging vornweg und sang, fuenf weitere Priester folgten der Figur und dahinter liefen die Leute und ich. In der Klosterkirche fand die hl. Messe statt und in der Kirche traf ich eine Pilgerbekanntschaft wieder. Diese Begegnung war sehr bewegend fuer uns beide. Nach der Messe liefen wir durch die Stadt, unterhielten uns und waren beruehrt von der Begegnung und dankbar dafuer.  

2.6.08 14:00


120 km vor Santiago

Hallo,

noch liegen ca. 120 km vor mir, nach Santiago. Das Ende naht. Am 7.6. fliege ich zurueck nach Deutschand, freue ich auf Zuhause!

Bisher waren 1100 Besucher auf meinem Blog - Vielen Dank!

Liebe Gruesse

Christian

30.5.08 17:08


29.5

Erstaunlich ruhig war die NAcht, ich brauchte nicht einmal diese Ohrendingens. Obwohl es auch ein Raum war und darin ca. 50 Menschen waren. Nach einem guten Fruehstueck ging ich los, es regnete nicht einmal! Ich entschied mich heute an der Strasse entlag zu laufen, auch wenn das nicht der offizielle Camino war. Aber durch den Regen der vergangenen Tagen hat aus dem Weg einen Matschweg gemacht. Heute wollte ich nach Samos, dort ist ein Kloster und das interessiert mich wirklich sehr. Es waren ca. 19 km bis dorthin. Schwarze Wolken zogen auf und es fing wieder an zu regnen. Ich mochte das nicht mehr und will Sonne und waerme. Mein Rucksack ist nass und ein paar Sachen von mir, die werden ueberhaput nicht mehr trocken. Ich muss schnell von den Bergen weg, denn ich hatte das Gefuehl die Wolken sammelten sich an den Bergen. So lief ich schneller und nach einer halben Stunde hoerte es tatsaechlich auf zu regnen.

Ich kam nach Tricastela und lief an einer Kirch vorbei. Diese sah von aussen sehr schoen aus und ich ging hinein. Bekannte Gesichter kamen mir entgegen, der Bundeswehrsoldat und seine Frau. Sie bedankten sich nochmals fuer die Nudeln, die ich mit ihnen teilte. Der Pfarrer der Kirche war auch da und begruesste mich mit Handschlag, ein sehr netter Empfang. Ich blieb kurz n der Kirch und schaute mir alles an und wollte anschliessend wieder gehen. Da kam der Pfarrer nochmal auf ich zu und bat mich mit zu kommen. Wohin wusste ich nicht und warum auch nicht. Am Altar ging es vor in die Sakristei,dort gab er mir einen Zettel mit einer Geschichte zum Jakobsweg - Guende warum man diesen Weg macht. So wie ich es verstanden hatte, hat er es selbst geschrieben. Ich bedankte mich bei ihm und er scheuchte mich aus der Kirche. Ich begegnete Anja aus Claw wieder, sie war gestern in der gleichen Herberge wie ich. Wir unterhieten uns kurz, gingen aber dann wieder auseinander. AUch sie wollte nach Samos. Das Wetter besserte sich und die Sonne kam raus, jedoch blieb es kalt und windig. Mir bereitete das Laufen heute irgendwie Schwierigkeiten. Ich denke es lag daran, dass ich heute keine Bars aufgesucht hatte. An einer Bruecke machte ich Pause und traf Anja wieder. Sie ist erst vor ein paar Tagen gestartet und sie wirkte auf mich irgendwie erledigt. Versuchte sie ein wenig aufzumundern und wir gingen das letzte Stueck nach Samos gemeinsam. Da die Herberge erst um 15 Uhr auf machte, lud ich Anja auf einen Kaffee ein.

Ab 15 Uhr ging das Tor zur Herberge auf. Ein Seitengebaeude des Klosters, vielleicht war das frueher eine Garage. Hier haben ca. 80 Menschen platz und der Raum war sehr kalt und feucht. Na prima, eigentlich hatte ich seid meiner Erfahrung in Santo Doming den Klosterherbergen abgeschworen aber hier hatte ich keine andere Wahl. Ich entschied mich fuer ein Bett oben, da hier die Luft besser war.

Anja, zwei Hamburger und ich gingen uns das Kloster anschauen. Was nur mit Fuehrung ging, die auf spanisch war. Ich weiss nicht, vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, aber manchmal habe ich den Eindruck ich verstehe etwas.

Abends war ich in der Vesper. Diese wurde von den Moenchen singend abgehalten und das war sehr schoen. Anschliessend fand noch die Messe stand und als wir gehen wollten, schuettet es wie aus Eimern. Wir mussten um das Kloster herum, um an die Herberge zu kommen und waeren fuerchterlich nass geworden. Ein paar mutige liefen bzw. rannten los, andere blieben unter dem Vordach stehen. Ich gehoerte zu den letzteren. Nach 20 Minuten kam ein Moench und holte uns in die Kirche und wir folgten ihm. Durch mehrere Gaenge kamen wir an einer Tuer, die er uns aufschloss. Wir standen im Badezimmer der Herberge und waren trocken geblieben. Wir bedanken uns bei dem Moench, ich wollte ihm am liebsten um den Hals fallen, verwarf aber den Gedanken wieder ganz schnell. Anja sass total aufgeloest auf ihrem Bett. Sie rannte durch den Regen. Der Camino hat mich in 3 Tagen fertig gemacht, so ihre Worte. Ich bot ihr etwas von meiner Schokolade an und meinte, dass sie erstmal schlafen solle und morgen sehe die Welt schon wieder besser aus. Ich ging auch zu Bett, war immer noch so gluecklich darueber, dass der Moench uns den Weg hier her gezeigt hat und ich nicht durch den Regen musste.    

30.5.08 17:05


28.5

Ich fuehlte mich wesentlich besser an diesem Morgen und in Ruhe startete ich in den Tag. Es regnete und ich beschloss, dass Tim Fischer wieder fuer mich singen sollte. Ich fuehlte mich trotz der Lieder nicht verantwortlich fuer den Regen. Es ging steil aufwaerts und ich kam schnell ausser Atem. Ein schlechtes Zeichen, dann laeuft man deutlich zu schnell. Ich verringerte mein Tempo und in La Laguna machte ich fuer ein zweites Fruehstueck halt. Es ging danach weiter bergauf und der Regen wurde immer staerker. Eine wirkliche Probe die mir da gestellt wird, dachte ich und lief weiter. Ich fuehlte mich gut und ziehe das durch, das ist fuer mich klar. Dicker Nebel verhinderte mir die sicht auf die umliegende Landschaft.Ich sah nur den Weg und dieser ging weiter nach oben. Ich erreichte das Dorf o Cebreio und das lag umhuellt von Nebel. Sah gespenstig aus. Hier in der Kirche wird der hl. Klech von Galicien aufbewahrt. Hier ereignete sich folgendes Wuder. Um 1300 soll ein fromer Bauer trotz Strums nach O Cebreio gegangen sei, um dort an der hl. Messe teil zu nehmen. Ein Moench fand diesen Aufwand als nicht angebracht. Nur wegen ein Stueck Brot und bisschen Wein. Daraufhin verwandelte sich die Hostie zu Fleisch und der Wein zu Blut.  In der Kirche angekommen konnte ich noch mitbekommen wie ein Priester am Altar, an dem dieser Klech aufbewahrt wird, die Gabenzubereitung zelebrierte - ganz alleine fuer sich. Ich schaute ihm dabei zu.

Das Dorf ist ein Museumsdorf geworden. Ich glaube hier gibt es kaum Einheimische mehr. Es gibt nur Bars, Laeden, Hostals und eine Herberge. Ich ging weiter und es sollte noch weiter nach oben gehen, zum Alton de Poio ca. 1300 m. Der Regen setzte mir ganz schoen zu und hoerte nicht auf. Der Weg ist stellenweise stark unter Wasser gesetzt und matschig. Ich erreichte das Dorf Hospital da Condesa und suchte die Bar des Dorfes auf. Setzte mich an die Theke, wie ich es fast immer machte und holte meinen Reisefuehrer aus der Tasche. (Kurzer Abscheif zum Thema Reisefuehrer: Viele Deutsche denen ich bisher begegnet bin, sprechen von diesem besagten Buch von ihrem Fuehrer. Das finde ich sehr daneben!) Na ja, auf jeden Fall stand neben mir ein Mann und sagte etwas auf spanisch zu mir und zeigte auf das Buch. Er sprach irgendwas von Foto und da kam es mir. Ich hatte ihn schon mal gesehen, in Reisefuehrer ist er abgelichtet. Ich lernte sozusagen eine echte Beruehmtheit kennen. Klasse!

Gestern ueberlegte ich, wem ich fuer was dankbar bin. Heute kreisten meine Gedanken, was ich meinen Menschen, die um mich herum sind, wuensche. Fuer was ich also bitten soll.

Triffnass kam ich i Fonfria an und hier war eine Herberge, obwohl diese nicht in meinem Buch vor kam (Ausgabe 2005 :-) Haette vielleicht daran denken sollen mir eine aktuelle Ausgabe vor der Reise zu kaufen). Ich beschloss hier zu bleiben, denn die Herberge machte einen guten Eindruck. Ich war ueberrascht, hier funktionierte die Heizung und alles scheint perfekt zu sein. Ich entschied mich meine Kleidung mal mit der Waschmaschine waschen zu lassen und anschliessend zu trocknen. Ich wusste zwar nicht ob das mein Pullover vertrug, wagte es doch. Muss ich vielleicht ab morgen bauchfrei Pilgern?

Am Abend sass ich mit der Koreanerin von gestern zusammen und schaute wo es die naechsten Tage hin geht. Wir hatten viel Spas zusammen und jede Menge zu lachen. Zu meiner Ueberraschung stellte ich fest, dass die Spanier auch Radler kennen. Das kostete ich natuerlich gleich aus.

Uebrigens, hat mein Pullover den Trockner gut ueberstanden.

30.5.08 16:20


27.5

Ein schlimmer Geruch weckte mich auf. 8 Menschen in einen kleinen Raum und kein Fenster geoeffnet - Schrecklich! Der erste ging und machte einen Krach. Es gibt hier Menschen die nehmenueberhaput kein Ruecksicht auf andere. Ich blieb noch liegen und wartete bis der Grossteil gegangen ist. Fuehlte mich ueberhaput nicht gut, meine Erkaeltung macht mir zu schaffen. Beim Laufen wurde es auch nicht besser, so lief ich exterm langsam. ICh schleppte mich eher, als ich ging. Ich musste ein Stueck an einer Schnellstrasse vorbei und das war wirklich seltsam. Dachte die ganze Zeit ich waere falsch, aber dann kam doch der gelbe Pfeil der mir die Richtung wies. Kam durch die Orte La Portela de Valcarce, Ambasmestas und in Vega de Valcarce machte ich Pause um einen Kaffee zu trinken und einen Bocadillo zu essen. Nach dieser Pause ging es mir deutlich besser und das Laufen machte auch wieder freude, denn entgegen aller Vorhersagen kam die Sonne raus. Beim Laufen musste ich an ein Telefonat von gestern denken und war sehr froh darueber. Es ist schoen Freunde zu haben di emich immer wieder zum Nachdenken anregen - Vielen Dank!

Heute lief ich und widmete diesen Tag dem Dank. Ueberlegte heute fuer wem ich was dankbar bin (Familie, Freunde, etc.) War sehr interessant dem mal nachzu spueren, sich mehrmals am Tag damit zu bescaeftigen. Traf Kristina von gerstern wieder, sie kommt aus Berlin und wir gingen ein Stuek gemeinsam. Wir liefen durch eine tolle Landschaft ud durch kleine Doerfer. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Es wurde immer steiler. Das waren die ersten Vorboten des O Cebreiro. Das Laufen strengte mich an, ich bin krank und das spuerte ich deutlich. Wie in Trance ging ich Schritt fuer Schritt und nach einer halben Stunde kam ich in La Faba an. Ich war fix und fertig und steuerte erstmal eine Bar an. Krisina, die sich vor dem Aufstieg von mir verabschiedete, sass rauchend bei einem Kaffee schon in der Bar. Ich warf mich auf einen Stuhl und rang nach Luft. "Ich kann nicht mehr weiter", so meine Worte. Es wird naemlich noch steiler und der Aufstieg ging ca. 2 Stunden. Das ist fuer mich heute zuviel, ich bleibe da, so meine Entscheidung. In La Faba wird die Herberge von ueberwiegend Deutschen freiwilligen gefuehrt und liegt neben der Kirch San Andres. Pilger aus Schwaben brauchen hier nichts zu bezahlen, wenn sie ein Geicht eines schwaebischen Dichters oder ein Lied vortragen koennen. Meine Version der schwaebischen Eisenbahn, wollte die Herbergsfrau nicht einmal anhoeren.

Am Abend war in der Kirche Friedensgebet und dafuer kam extra ein Moench angefahren. Zum Abschluss versammelten wir uns um den Altar und sollten uns zum Friedensgruss umarmen, jeder jeden. Eine Koreanerin und ich fanden das ziemlich lustig und umarten uns gleich mehrmals. Jedesmal lachten wir und es war sehr lusig. Wir sahen uns an diesem Abend noch ein paar mal in der Herberge und fingen staendig an zu lachen.

30.5.08 13:35


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