Mein Weg nach Santiago de Compostela
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Danke

Die Reise ist vorbei, morgen geht mein Flieger. Ich danke fuer jeden Kommentar und Gaestebucheintrag. Fuer das Interesse an meinen Weg. Ueber 1500 Besuche auf meinen Tagebuch. Vielleicht habe ich durch mein Tagebuch, lust wecken koennen, selbst sich auf den Weg zu machen. Ich kann nur Mut machen und sagen. Es lohnt sich, aus welchen Gruenden auch immer!

¡Buen Camino!

Christian

6.6.08 15:50


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5.06 - Ende der Reise

Die letzten Kilometer standen mir bevor und ich bin an diesem Morgen sehr frueh aufgebrochen. Konnte kaum schlafen da ich sehr nervoes war und weil das Licht im Flur staendig an ging. Dieses funktionierte ueber Bewegungsmelder und ging irgendwie immer an. Mitpilger versuchten es aus zu machen, jedoch ohne Erfolg. Zum Abschluss der Reise, wie haette es auch anders sein koennen, regnete es mal wieder. Also nochmal in die Regensachen. Da ich gerstern vergessen hatte, diese aus meinen Rucksack zu nehmen, waren diese noch nicht trocken. Egal, alles ist heute das letzte mal, sagte ich zu mir und los gings. Es war noch dunkel und ich kam gleich an einem Wald, und sah absolut nichts. Meine Taschenlampe hatte sich irgendwann mal verabschiedet und so musste ich mit meinem Handy mir den Weg bahnen. Der Regen war nicht stark, jedoch begleitete er mich den ganzen Tag ueber. Ich lief immer schneller, wollte ankommen und diese Reise beenden. Der Besuch der Kathedrale wird der Hoehepunkt dieses Tages werden und ich freute mich schon sie zu erblicken. Um 12 Uhr findet dort immer die Pilgermesse stand und das wollte ich unbedingt erleben, vielleicht wird auch der Weihrauchkessel geschwenkt. Der haengt an einem 35 m langen Seil und ist ueber 50 kg schwer. Er wird durch das ganze Querschiff geschwenkt, dabei schon zweimal angeblich aus der Kirche geflogen. Ich machte an diesem Tag nur einmal Pause in einer Bar und erreichte um 10 Uhr Moto do Gozo. Von hier aus, ist Papst J.Paul II, ich glaube 1982 nach Santiago gepilgert (Weiss jetzt nicht ob Zeitraum treffend ist). Von hier aus aknn man die Tuerme der Kathedrale das erstemal sehen. Ich sah nichts! Dicker Nebel umhuellte diese Erhoehung und so ging ich weiter und erreichte bald darauf die Stadtgrenze von Santiago. Ich bin da! Ich bin endlich da! Ich war froh und grinste ueber das ganze Gesicht. Ich ging immer weiter in die Stadt rein, sah aber ueberhaupt nicht von der Kathedral. Es ging ueber ein Wohngebiet in die Altstadt. Irgendwann sah ich auch keine gelben Pfeile mehr, so lange haben sie mich begleitet und ich konnte mich immer auf sie verlassen. Aufeinmal waren sie weg und ich entdeckte ein Schild das mir den Weg zur Kathedrale wies. Und da war sie auch schon, ich kam ueber ein Seitenweg auf den Hauptplatz und lief zur Mitte. Hier war der Nullstein, auf dem ich mich stellte und so zufrieden mit mir war. Ich war am Ziel, 0 km. Ich ging in die Kathedrale und am Hauptaltar fuehrte eine kleine Treppe nach oben. Hier ist eine Jakobusstatue, die nach alter Tradition umarmt und gekuesst wird. Danach fuehren Treppen in die Krypta, wo die sterblichen Ueberreste des hl. Jakobus liegen. Ein sehr kraftvoller Ort und ein sehr bewegender Moment fuer mich.

Vor der Messe war ich nocheinmal auf den Vorplatz. Und dann geschah genau das, was ich mir so gewuenscht habe und jeden Tag dafuer gebittet habe. Annett stand vor und wir fielen uns in die Arme. Mir wurde ganz anders, denn ich konnte es kaum fassen. Wir hatte uns das letzte mal ca. vor 3 Wochen gesehen und ich wusste nicht wann sie in Santiago ankommen wird und sie wusste es von mir nicht. Wir hatten Traenen in den Augen und waren uebergluecklich uns wir zu haben. Wir besuchten gemeinsam die Messe und strahlten uns die ganze Zeit an. Sie hatte schon ein Hotelzimmer und so war meine Uebernachtung fuer diesen Tag auch geklaert. Sie wird am Freitag, also morgen nach Hause fliegen. Wir verbrachten den Nachmittag gemeinsam, holten meine Compostela ab und erzaehlten uns die Geschichten sie jeder von uns erlebt hatte in den letzten Wochen. Wir stellten fest, dass wir oft in der gleichen Ortschaft zum gleichen Zeitpunkt waren. Das wir uns nochmal in Santiago treffen wuerden war fuer uns beide ein absolutes Geschenk und ein wuerdiger Abschluss dieser Reise. Nicht die Kathedrale oder das Erreichen von Santiago war der Hoehepunkt, sondern das Treffen mit Annett. Wir unterhielten uns bis spaet in den Abend hinein und gleich nach dem Aufstehn wieder.

Wir gingen fruehstuecken und besuchten nocheinmal gemeinsam die Kathedrale und den Abschied gestalteten wir sehr beruehrend. Als sie mit dem Taxi abfuhr, fuehlte ich mich sehr einsam. Aber tief in meinem Herzen hat sie einen Platz und so ist sie immer gegenwaertig.

Die Reise ist vorbei und vieles liegt hinter mir und so manches vor mir. Ich freue mich nach Hause zu koennen, auf Familie, Freunde und den Alltag. Ziele sind erreicht, andere neue Ziele haben sich aufgetan. Ich freue mich auf mein weiteren Weg, auf meinen eigenen Camino.  

6.6.08 15:45


Glaubensweg

Den Jakobsweg gehen so viele Menschen und das schon seit langer Zeit. Durch den Glauben unserer Vorfahren entstand der Camino. Viele Menschen suchen hier eine Begegnung mit Gott, manche gehen diesen Weg aus anderen Grueden. Was sie alle eint, ist die Gemeinsamkeit und die Freundlichkeit. Ich fragte mich, wo ich Gott auf diesem Weg begegnet bin und stellte folgendes fuer mich fest. Ich musste mich erst einmal selbst begegnen. Lernte meine Staerken und Schwaechen kennen. Meine Beduerfnisse und Wuensche. Meine Fehler sowie auch meine guten Seiten. All das fuegte sich zusammen und macht mich zu dem was ich bin. Ich lernte dies zu akzeptieren und mir selbst zu genuegen. Lernte Dinge im Leben anzunehmen wie sie sind und lernte zu erkennen was sich zu veraendern lohnt. Ich glaube hier begegnete ich Gott. Durch den Alltag des Caminos, durch die Gemeinschaft und Freundlichkeit der Menschen, durch mich und durch die Umwelt und Tiere. Wir muesen unser Leben mit Liebe fuellen und die Naechstenliebe leben. Denn ich glaube, dass hinter all dem die Liebe steht. Wir bekommen vom Leben das, was wir selbst ausstrahlen und zu Geben wagen. 

Gott ist ueberall-

In den Farben der Blumen, Baeume und Graeser

In den Geruechen die uns umgeben

In den Menschen denen wir begegnen

In den Tieren

Im Sonnenschein und im Regen

In uns selbst, und

Jeder traegt ein Teil von IHM in sich. Wir alle sind ein Teil der grossen Schoepfung und das ganze ist Gott! 

4.6.08 20:14


Pilgersegen

Am letzten Tag meiner Reise, fand ich einen Zettel wieder. Auf dem steht der Pilgersegen, der mich die ganze Zeit ueber begleitet hat. Ich moechte Euch den nicht vorenthalten (Etwas spaet, aber noch rechtzeitig):

Oh Gott,

der du vom Anfang der Zeiten an, die Schritte der Menschen gelenkt hast, der du Abraham aus seinem Gebiet in das Land gefuehrt hast, das du ihm verheissen und die Israeliten durch die Wueste gefuehrt hast, der du in deiner Guete so viele auf diesem Jakobsweg fuehrst, wir bitten dich, dass du diese Pilger schuetzt, die sich aus Liebe zu deinem Namen nach Santiago de Compostela begeben hat.

Sei ihnen Gefaehrte auf der Pilgerschaft, Fuehrer am Scheideweg, Aufmunterung in der Muedigkeit, Helfer in der Gefahr, Herberge am Weg, Schatten in der Sonnenglut, Licht in der Finsternis, Trost in der Ermuedung und Staerkung in ihren Vorhaben.

Damit sie mit deiner Hilfe, oh Herr, gluecklich an das Ziel ihres Weges gelangen, stark im Glauben, froh in der Hoffnung und grosszuegig in der Naechstenliebe, und so gesegnet in ihre Heimat zurueckkehren koennen. Amen

4.6.08 20:13


4.06

Heute bin ich in Pedrouzo gelandet und von hier aus sind es nur noch 20 km nach Santiago. Wow, morgen ist es soweit und ich laufen in die Kathedrale ein, wo der hl. Jakobus seine letzte Ruhe fand. Nach alter Pilgertradtion werde ich den Jakobus umarmen und kuessen, erst dann ist die Pilgerreise beendet. 750 km waren es dann von Pamplona und nur 27 km bin ich gefahren (Hole ich irgendwann mal nach, versprochen!) Werde ich das Laufen vermissen? Ich glaube nicht, was mir fehlen wird ist die Gemeinschaft und die Freundlichkeit. Ich hoffe, dass ich davon viel mit nach Hause nehmen kann, und lange davon zerren. Die Landschaft zeigte sich heute nocheinmal von der schoenen Seite. Es ging durch Waelder, vorbei an Bauernhoefe und kleinen Doerfer. Das Laufen machte mir Freude und war ueberhaupt nicht anstrengend. 

Ich freue mich ein letztes mal in einer Herberge uebernachten zu muessen. Obwohl die Herberge hier, gar nicht mal schlecht ist. Wieder mal eine private Herberge. In Santiago werde ich trotzdem ein Zimmer nehmen und es sicherlich geniessen. Freue mich auf Zuhause, meine Familie und Freunde.   

4.6.08 20:03


3.6

In Boente machte ich das erstemal Pause an diesem Morgen, und das schon nach einer halben Stunden nach Aufbruch. Ich ging in eine kleine Bar am Wegesrand. Fast ganz leer, ausser an einem Tisch sass jemand, den ich erst beim zweiten Hinsehen erkannte. Es war Werner der Radpilger aus der Naehe von Koeln. Wir hatten uns gestern kurz kennen gelernt und eigentlich wollte er gestern schon nach Santiago fahren. Ich setzte mich zu ihm und wir unterhielten uns. Er erzaehlte mir, wie er gestern sein ganzes Koelnischwasser ueber seine Kleidung geleert hatte. Glaube mir mein Jung, dat stinkt! Werner ist so wirklich ein Vorbild von einem Rheinlaender und es machte mir Spass ihm zu zuhoeren. Er ist mit dem Rad von Zuhause los und ist den Nordweg gefahren, immer an der Kueste Spaniens entlang. Heute faehrt er auf jeden Fall nach Santiago, meinte er. Mein Ziel ist fuer den Tag Arzua, und da es mal wieder regnete reichte mir das voll und ganz. Im Fernsehr liefen die Nachrichten, jede Bar hat mind. ein Fernsehr wenn nicht zwei. Nordspanien versinkt in Wasser, vor allem Bilbao. Sie brachten auch Bilder von Logrono, vom Stadtpark. Dort wo ich vor Wochen in der Sonne lag, war alles abgesperrt da der Fluss ueber die Ufer trat. Werner stieg aufs Rad und wir verabschiedeten uns, er meinte er wuerde gerne mit mir jetzt mit laufen, aber sein Rad schieben kaeme nicht in Frage.

Am fruehen Vormittag kam ich in Arzua an und die Frau der Herberge wunderte sich das ich schon so frueh ein Bett wollte. Mein Ziel ist erreicht und jetzt entwickel ich keinen Ehrgeiz auf den letzten Kilometer. Nach einer kalten Dusche legte ich mich aufs Ohr und schlief fast 3 Stunden. Die letzte Nacht war nicht besonders, wie soll ich sagen, gut verlaufen. Am Nachmittag bummelte ich ein bisschen in der Stadt rum und lag wieder rechtzeitig im Bett. Pilgern macht muede! Die Herberge war nur zur Haelfte gefuellt. Wo sind die ganzen Pilger geblieben? Anja traf ich nicht wieder! 

4.6.08 19:12


2.06

Silke war schon verschwunden, als ich an diesem Morgen aufstand. Die muss eine grosse Etappe auf sich nehmen, sonst schafft sie es nicht mit ihrem Zeitplan. Wir werden uns wohl nicht mehr sehen, schade! Ich raeumte schnell meine Sachen zusammen und los gings. Anja war noch in der Herberge, sie startete spaeter aber wir hatten das gleiche Ziel fuer diesen Tag. Dicker Nebel hing ueber die Stadt und Landschaft. Viele Pilger waren schon unterwegs, alle mit dem gleichen Ziel.

Anja war auf einmal hinter mir und wir liefen zusammen. Ich musste an gestern denken, an das was sie uns erzaehlte. Das stimmte mich sehr nachdenklich und sie tat mir leid. Ich hoffte jedoch, dass sie davon nichts bemerkt. Denn ich glaubte Mitleid braucht sie bestimmt nicht. Ich fragte sie, was sie heute braucht, um am Abend im Bett zufrieden sein zu koennen? Sonnenstarhlen, meinte sie und stellte mir die Gegenfrage. Ich ueberlegte kurz und meinte auch, dass ich mich ueber Sonne freuen wuerde und wenn ich heute beim Laufen ein gutes Gefuehl hatte, so wie ich es schon einmal gehabt hatte. Kurz darauf kaempfte sich die Sonne durch den Nebel und ein Teil der Zufriedenheit war schon gesichert.

Wie erreichten die erste Bar, in San Xiao do Camino. (Bar hoerte sich immer so nach Alkohol an. Das ist es bestimmt nicht warum ich so oft in der Bar bin. In Spanien heissen Kaffes halt oft Bar. Also bitte nicht falsch verstehen *grins) Hier kam uns Rauchen von Raeucherkerzen entgegen, so stark das dieser in den Augen brannte. Im Hintergrund lief schlechte Meditationsmusik und der Besitzer der Bar grinste ueber das ganze Gesicht und fragte uns was wir haben wollten. Ich fragte mich, wieviel von diesen Kerzen der Typ heute schon gehabt hatte. Wir tranken unseren Kaffee und als ueber die Musikanlage Ave Maria erklag, verliessen wir die Bar. Draussen spielten zwei Hundewelpen und ich konnte nicht anders und musste sie natuerlich streicheln. Ich freue mich schon auf meinen Hund, den ich mir sobald ich in Deutschland bin anschaffen werde. Ich weiss, es wird ein Bobtail werden *freu.

Anja und ich trennten uns. Ich muss wieder ein Stueck allein laufen. Hatte zwar kurz ein schlechtes Gefuehl deswegen, aber ich will hier nicht schon wieder Verantwortung uebernehmen, die mir nicht gehoert. Die Herberge in Melide war nicht der Renner, sie kommt in die Top 10 der schlechtesten Herbergen am Camino. Aber ich wollte nicht klagen, und so ging ich in die Stadt und verbrachte viel Zeit in einer sehr schoenen Kirche. Bald bin ich in Santiago, es sind nur noch ca. 60 km. Ich schaute im Gedanken zurueck auf den Weg und ueberlegte, ob ich all meine Fragen die ich mitgebracht hatte beantworten konnte. Was mir die Begegnungen mit den Personen auf dem Camino gebracht hatten. Was in mir in Gang gebracht wurde und was in mir ab jetzt ruhen darf. Welche Bedeutung Gott bei diesem Weg fuer mich hatte? Ich verliess die Kirche mit einem sehr guten Gefuehl. Naemlich, dass ich am Ziel meines Weges war! 

3.6.08 19:34


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